.... Warenkorb .. Cart ....
X
white chalk
fine / 100g
5.00€
.... Gesamt : .. Total : ....
0.00€
.... Gutscheine und Versandkosten werden im Checkout hinzugefügt. .. Coupons and shipping costs will be applied during checkout. ....
Checkout
0
X

AUF DER SUCHE NACH GRIP

Ausgangssituation.

Mit großen Erwartungen öffnen wir den Brief von dem Chemiekonzern, den wir mit der chemischen Analyse diverser Chalkproben beaufragt haben. Aufmerksam lesen wir die Testergebnisse, aufgeschlüsselt nach Magnesiumgehalt, Anteil weiterer Stoffe und Trocknungsverlust.

Unter den Proben ist auch ein Prototyp unserer eigenen Bandbreite, das white chalk fine cut, von dem wir glauben, dass es bestimmt besser abschneiden wird als seine Konkurrenten. Wir vergleichen die Kennwerte und müssen feststellen, dass kaum nennenswerte Unterschiede zu finden sind. Ist unser Projekt schon gescheitert – ist Chalk einfach nur Chalk?

Kurz danach befinden wir uns wieder in meiner Wohnung, einer kleinen Erdgeschosswohnung mit Garten in Hamburg, über den Esstisch gebeugt, und begutachten die verschiedenen Proben. Mit einfachen Tests versuchen wir herauszufinden, welche Probe besser trocknet, welche besser auf der Haut liegt und ob weitere Trocknungsmittel zugemischt wurden. Akribisch genau fülle ich das Material, jeweils mit exakt dem gleichen Gewicht in je ein Reagenzglas, und träufle mit einer Pipette Tropfen für Tropfen Wasser hinein. Ich lasse das Wasser mit kreisenden Bewegungen im Reagenzglas tanzen, stelle es kurz zur Seite – und rotiere es erneut. Nach etwa 10 Minuten haben die Stoffe soviel Wasser aufgenommen, dass die Konsistenz deutliche Unterschiede zeigt. Während das Magnesiumcarbonat in Reagenzglas 1 zu einer festen, leicht feuchten Masse geworden ist, scheint der Stoff in Reagenzglas 5 zu einem weißen Pudding geworden zu sein.

 

„Völlig übersättigt“, sagt David, und fühlt sich in der Erfahrung bestätigt, die er kurz zuvor damit in der Kletterhalle machen konnte.

 

„Es sieht genau so aus, wie es sich vorhin noch angefühlt hat. Dieser nasse Film! Ich hatte das Gefühl mich in der Hälfte der Route schon nicht mehr sicher halten zu können. Es ist nicht so das meine Hände nass gewesen sind, aber trocken waren sie auch nicht.“

Offensichtlich gibt es also deutliche Unterschiede, welches Chalk mehr oder weniger Wasser aufnehmen kann, und während ich auf die Versuchsreihe starre frage ich mich, ob die Trocknung denn die wichtigste Eigenschaft ist – oder ob es sogar die Reibung verbessern kann.

Auf der Suche nach Grip.

Das Flashh in Hamburg ist unsere Heimathalle. Jemand hat mich mal gefragt was in Hamburg mein liebster Ort ist, und ich entgegnete mit einem Lachen, dass mir nur dieser Spot eingefallen ist. Hier auf der Matte treffe ich auf Jan. Vor der Wettkampfwand begutachtet er einen schwarzen Sloper und ich kann schon an seinem Blick erkennen wie er jede erdenkliche Bewegung in Gedanken durchspielt um irgendwie einen halben Meter weiter zu kommen. Er greift in sein Chalkbag, reibt sich die Hände und klopft sie danach mehrmals die an seiner Hose ab. Kurz sieht es aus als wolle er versuchen zu schnipsen, schlägt seine Hände dann aber erneut an dem hellblauen Jeansstoff ab. Als ich ihn frage, was genau er da macht, antwortet er mir mit den Worten, die mir ein Licht aufgehen lassen.

 

„Ich teste den Grip. Wenn ich in mein Chalkbag greife liegt noch sehr viel Loses auf meiner Hand – das klopfe ich ab. Ich teste dann, wie gut mein Zeigefinger mit Druck auf dem Daumen hält. Wenn ich meine Hände jetzt nochmal abklopfe, obwohl das Chalk nicht mehr lose ist, wird der Halt sogar noch besser.“

Es ist ein Bild, wie wir es selbst jeden Tag vor den Augen hatten. Überall auf der Welt klatschen, klopfen oder pusten Kletterer in ihre Hände um überschüssiges Chalk loszuwerden. Es gibt selbst Bürsten, mit denen sie die Griffe von Chalk befreien – am besten sind sie sowieso wenn sie gerade geschraubt wurden. Und in diesem Augenblick begreife ich, dass es nicht nur wichtig ist wie gut Chalk trocknet – sondern auch, wie dick es auf der Haut liegt. Denn die Haut hat schon den perfekten Grip.

Bis an die Grenze.

Während ich die Testergebnisse nochmals lesen, erinnere ich mich an die Worte von Aileen, die für uns die Proben analysiert hat. Sie sagte, 100 Prozent Magnesiumcarbonat ist technisch fast nicht möglich. Der Herstellungsprozess ist langwierig und so aufwändig, man müsste das Produkt für das 10fache anbieten – für einen Effekt der wahrscheinlich kaum spürbar ist. „Wenn 100 Prozent nicht möglich sind, wie viel können wir dann erreichen?“ frage ich mich. Das wichtige an Magnesiumcarbonat ist der Magnesiumgehalt, der die Menge an Wasser bestimmt, die der Stoff aufnehmen kann. Je höher dieser Anteil, desto größer ist auch der Trocknungseffekt. 

David zeigt auf einen Wert, der deutlich geringer ist als in den anderen Proben. Tatsächlich ist der Calciumanteil in unserem Prototypen geringer, als in den anderen Proben. Wir hörten bereits von verschiedenen Quellen, dass Calcium Wasser abstößt und so eher gegen die Wirkung des Magnesiums arbeitet. Wissenschaftlich bestätigen will es uns aber niemand, und aufgrund des geringen Gesamtanteils bezweifeln wir auch, dass dieser Unterschied spürbar ist.

Mit diesen Ergebnissen geben wir uns erst mal zufrieden und beschließen die Arbeit an einem dünnerem Chalk, welches sich nur ganz dünn auf die Haut legt, zu priorisieren. Es vergehen einige Wochen, in denen viel Chalk durch unsere Hände fließt, bis wir schließlich die richtige Rezeptur gefunden haben. Durch einen Zufall schaffen wir es, eine hauchdünne Schicht aufzutragen, die sehr gut auf der Haut hält und gleichzeitig extrem gut trocknet. Wir haben es geschafft den Magnesiumanteil zu und somit die Menge an Wasser, die der Stoff aufnehmen kann, zu erhöhen.

David fängt an zu grinsen – das ist genau das, wonach wir gesucht haben.

In der Halle geben wir vielen Kletterern eine Probe zum testen. Ich frage mich, ob die Unterschiede auch für jemanden spürbar sind, der nicht so tief in der Thematik steckt. Felix ist einer dieser Menschen, die ehrlich sind – auch gegenüber Freunden, egal wir hart die Wahrheit ist. Und er legte ein fast schon kindliches lachen auf als er in mein Chalkbag griff und das feine Pulver durch seine Finger floss. „Alter, ist das weich!“, sagte er. Ich grinste zurück. Nach vielen vielen Routen ziehen wir die Bilanz. Besonders bei Slopern spürt er einen Unterschied, kann sich viel entspannter halten und hat das Gefühl, viel kontrollierter Klettern zu können.

„Ich kenne es sonst nur von sehr kleinen Tritten. Da stehst du drauf und denkst : Egal welche Bewegung du jetzt machst, du fällst runter! Man spürt schon, wie kurz davor man ist, abzurutschen. So fühlten sich für mich Sloper ähnlich an – das war heute deutlich besser.“

Mit diesen Worten entsteht kurze Zeit darauf das White Chalk Plus, das trockenste Chalk – wie wir gerne sagen. Gerade in Wettkämpfen oder an sehr schweren Routen sind die Bedingungen anders. Die Belastung ist viel höher, die Anstrengung größer, die Aufregung stärker. Daher treiben wir unser ganzes gesammeltes Wissen samt technischer Möglichkeiten auf die Spitze um die Reinheit des Magnesiums nochmal zu erhöhen und um das Maximum aus dem Stoff zu kitzeln. „Theoretisch würde sogar noch mehr gehen – aber das sprengt den finanziellen Rahmen und ist bestimmt nicht bemerkbar“, erklärt Aileen. „Selbst wenn wir noch 3-5% mehr erreichen könnten, niemand wäre dafür bereit den 3-fachen Preis zu bezahlen“

Chalk ist weiß.

Wir wollen fair sein. Als wir die Marke gegründet haben war es uns wichtig, ehrlich zu sein und den Leuten da draußen zu erklären, was sie überhaupt in der Hand haben und warum es so funktioniert, wie es funktioniert. Auch wenn wir nicht alle Geheimnisse preisgeben wollen ist doch eines entscheidend :

Deine Haut hat schon den perfekten Grip. Und um ihn zu nutzen, brauchst du ein Chalk, das nur hauchdünn aufliegt. Und je dünner es aufliegt – desto stärker muss es trocknen. Wir stehen hinter unserem Produkt wenn wir sagen, dass dieser Unterschied spürbar ist. Sowohl bei unseren White Chalk als auch der Plus Variante. Da viele ihr Chalk zunächst anhand des Gefühls aussuchen bieten wir alle Texturen an um jedem ein individuelles Chalk Gefühl zu verschaffen. Eine Trockene Haut braucht aber mehr als nur gutes Chalk – die Tips, wie du Chalk richtig benutzt und welche Fehler du vermeiden kannst, geben wir dir auch mit auf den Weg. Die 10 größten Fehler beim Chalken